Aktuelles

 

                                Informationsveranstaltung

                                Erben und Vererben
                                Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung


                                Mittwoch, 26.09.2018, 19:30 Uhr
                                Ev. Gemeindehaus Rodgau-Weiskirchen
                                Bonhoeffer-Haus
                                Dietrich-Bonhoeffer Straße 2-4
                                63110 Rodgau, OT Weiskirchen

                                           und

                              Mittwoch, 10.10.2018, 19:30 Uhr
                                Ev. Kirchengemeinde Obertshausen
                                Schönbornstr. 42
                                63179 Obertshausen

                                                         


                               Referent:  Dr. Helmut Eckert
                                                  Fachanwalt für Erbrecht und Notar a.D.


unverbindliche Anmeldung per E-Mail: eckert_rechtsanwaelte@t-online.de
per Telefax: 069 829751-18 oder telefonisch: 069 829751-0 (kein Unkonstenbeitrag)   





                                              ERBRECHT

 

10 Gebote beim Erben

 

1. Du sollst ein Testament machen

Nach einer Untersuchung des Forsa-Instituts, durchgeführt im Auftrag der DVEV
haben 74 % der deutschen Bundesbürger ab 18 Jahren keine letztwillige Ver-
fügung (Testament oder Erbvertrag) errichtet. 39% der Befragten, die eine
letztwillige Verfügung errichtet haben, hat Rechtsrat bei einem Notar eingeholt
und 26 % bei einem Rechtsanwalt. Ist keine letztwillige Verfügung vorhanden,
gilt die gesetzliche Erbfolge, die nicht immer den Vorstellungen bzw. Überlegungen
der Erblasser entsprechen.

2. Du sollst den Pflichtteil berücksichtigen

Bei der Abfassung eines Testamentes sollte geprüft werden, welchen Personen
Pflichtteilsansprüche zustehen. Es ist zu überlegen, ob die Möglichkeit besteht,
mit dem Pflichtteilsberechtigten enen Pflichtteilsverzichtsvertrag abzuschließen.
Hat ein Ehepartner ein Kind aus erster Ehe, muss dies bei der Gestaltung des
Testaments berücksichtigt werden. In diesem Falle kommt z.B. die Anordnung
einer (befreiten) Vor- und Nacherbschaft in Betracht.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Pflichtteil auszuschalten bzw. zu
verringern durch Übertragung von Vermögensteilen zu Lebzeiten.

3. Du sollt den letzten Willen nicht aufschieben

Schon bei einer jungen Familie mit Kindern ist es sinnvoll und erforderlich, ein
Testament zu errichten. Verstirbt ein Ehegatte etwa bei einem Unfall, tritt die
gesetzliche Erbfolge ein. Der überlebende Ehegatte und die Kinder bilden eine
Erbengemeinschaft. Wenn z.B. eine Immobilie vorhanden ist und der überlebende
Ehegatte diese Immobilie verkaufen muss, ist es erforderlich, das Familiengericht
einzuschalten. Der dann erzielte anteilige Verkaufserlös der Kinder müsste dann
mündelsicher angelegt werden bis zum Erreichen des 18.Lebensjahres der Kinder.
Hätten die Eheleute ein Testament errichtet, könnte der überlebende Ehegatte
frei über den Verkauf der Immobilie entscheiden.

4. Du sollst das Testament regelmäßig überprüfen

Ebenso wie eine TÜV-Untersuchung bei Fahrzeugen ist es sinnvoll, die errichtete letztwillige Verfügung alle 5 – 10 Jahre zu überprüfen. Zum Einen kann sich das Verhältnis zu den bedachten Personen verändert haben, ebenso aber auch die Eigentumsverhältnisse bei einer Immobilie. Eine Veränderung kann sich aber auch auf Grund der Geburt weiterer Abkömmlinge ergeben oder bei dem Versterben von Kindern, die als Erben eingesetzt wurden.

5. Du sollst festlegen, ob das Testament geändert werden kann

Jeder 2. Deutsche, der eine letztwillige Verfügung errichtet (sei es handschriftlich oder notariell), errichtet ein sogenanntes Berliner  Testament. Darin wird jeweils der überlebende Ehegatte zum Alleinerben eingesetzt und die gemeinschaftlichen Kinder zu Schlusserben. Wenn in dem Testament keine Regelung getroffen ist, kann der überlebende Ehegatte das Testament nicht einfach ändern. Aus diesem Grunde sollte überlegt werden, ob und in welchem Umfang der überlebende Ehegatte berechtigt ist, das Testament zu ändern.

6. Du sollst einen Ersatzerben bestimmen

Der Erblasser kann durch Verfügung von Todes wegen für den Fall, dass ein eingesetzter Erbe vor dem Erbfall verstirbt, einen anderen als Erben einsetzen. Oft enthält aber die Verfügung von Todes wegen keine ausdrückliche Ersatzerbeneinsetzung, da der Erblasser die Möglichkeit des Wegfalls des eingesetzten Erben überhaupt nicht in Betracht gezogen hat. Wenn z. B. beide Ehegatten, die keine Kinder haben, gemeinsam bei einem Unfall versterben und sich gegenseitig zum Alleinerben eingesetzt haben, dann bestimmt der Zufall, wer Erbe ist. Das gesamte Vermögen fällt dann z. B. den Angehörigen des Ehegatten zu, der zuletzt gestorben ist, auch wenn zwischen den Todeszeitpunkten nur ein geringer Zeitraum liegt.

7. Du sollst an die Steuer denken

Im Rahmen der Erbschaftssteuerreform sind ab dem 1. Januar 2009 die Freibeträge in der Steuerklasse I erheblich angehoben worden. Wenn aber z. B. ein Handwerksmeister im Rahmen der testamentarischen Regelung den Betrieb vererben will, während die Tochter das Haus erhalten soll, kann dies ein Fall der „Entnahme von Betriebsvermögen“ sein, mit der Folge, dass Einkommensteuer in einer erheblichen Größenordnung anfällt. Wenn Eheleute keine Kinder haben, aber z. B. einen Neffen zum Alleinerben einsetzen wollen, sind die persönlichen Freibeträge sehr gering. Hier ist z. B. zu überlegen, ob eine Adoption des Neffen möglich ist. Nach der Adoption würde dann der Freibetrag für Kinder entsprechend der Steuerklasse I angewendet werden.

8. Du sollst Dein Testament nicht in der Schublade oder offen in der Wohnung  
    aufbewahren.

Es ist eine Erfahrungstatsache, dass in Deutschland jährlich eine größere Anzahl von eigenhändig errichteten Testamenten verschwindet, weil derjenige, der als Erster die Wohnung des Verstorbenen betreten hat, sich durch das aufgefundene Testament benachteiligt sieht. In jedem Falle ist es zu empfehlen auch handschriftliche Testamente bei dem Nachlassgericht zu hinterlegen. Dadurch ist gewährleistet, dass das betreffende Testament in jedem Falle nach dem Tode des Erblassers auch aufgefunden und eröffnet wird.

9. Du sollst den Inhalt der letztwilligen Verfügung klar und eindeutig formulieren

Die letztwillige Verfügung sollte so gestaltet sein, dass keine Zweifelsfragen entstehen, die nur durch Auslegung geklärt werden können. Insbesondere ist es zunächst sinnvoll, dass die Erben klar und eindeutig bezeichnet werden, entweder als Alleinerbe oder als Erben mit entsprechenden Bruchteilen. Unabhängig von der Einsetzung nach Quoten kann dann noch im Wege der Teilungsanordnung oder Vorausvermächtnisses bestimmt werden, welche Gegenstände des Nachlasses der jeweilige eingesetzte Erbe erhalten soll. Zweifelsfragen können insbesondere entstehen, wenn der Erblasser das zum Zeitpunkt der Errichtung der letztwilligen Verfügung vorhandene Vermögen einzelnen Personen zuweist ohne zu bestimmen, zu welchen Quoten diese Erben sein sollen. Wenn dann zu einem späteren Zeitpunkt weiteres Vermögen hinzugekommen ist oder Teil des ursprünglich vorhandenen Vermögens nicht mehr vorhanden sind, dann muss das Nachlassgericht nachträglich auslegen, zu welchem Anteil die eingesetzten Personen Erben geworden sind.

10. Du sollst von Hand schreiben

Ein privatschriftliches Testament muss handschriftlich verfasst und mit Datum, Ort und Unterschrift versehen werden. Bei Ehegatten und eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern ist es ausreichend, dass der Text des Testamentes nur von einem Ehegatten/Lebenspartner handschriftlich verfasst und unterschrieben wird, während der andere Ehegatte/Lebenspartner nur mit unterschreibt.

Unabhängig davon ist dringend anzuraten - auch bei Verfassung eines handschriftlichen Testaments - sachkundigen Rechtsrat bei Rechtsanwälten mit erbrechtlichen Kenntnissen oder Notaren einzuholen. Die Beurkundung von Testamenten bzw. Erbverträgen ist schon deshalb empfehlenswert, weil im Falle des Todes des Erblassers dann grundsätzlich kein Erbschein mehr erforderlich ist.

 

 

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